Geschäftsbericht
(Fortsetzung) In der Warburg Bankengruppe und im Verbund haben wir auch 2010 Chancen genutzt,
unsere Aktivitäten mit Vorsicht und Augenmaß auszuweiten. Zum Jahresende wurden die Anteile am
Bankhaus Plump von 51 % auf 100 % aufgestockt. Zudem wurde ein Mehrheitsanteil an der Züricher
Family Office Bank Private Client Partners erworben, die mit ihren Mitarbeitern exzellente
Dienstleistungen am Schweizer Bankenplatz anbietet. Zum Jahresende haben wir die Degussa Bank von
der M.M.Warburg & CO Gruppe (GmbH & Co.) KGaA an eine andere Gesellschaft übertragen. Die
2009 zur Warburg Bankengruppe gelangte Schwäbische Bank konnte behutsam weiter integriert werden
und vertritt uns erfolgreich im Südwesten Deutschlands. Wir führen damit die Pflege und den Ausbau
unserer regional verankerten Traditionshäuser unter dem Dach der Warburg Bank konsequent
fort.
Die Research-Aktivitäten wurden im Berichtsjahr in der Warburg Research GmbH konzentriert.
Diese neue Einheit entstand aus der zur Bankengruppe gehörigen SES Research und der
Research-Abteilung der Bank. Wir können damit auf ein Portfolio von über 200 analysierten
Unternehmen verweisen, was die Gesellschaft zu einem führenden Research-Haus in Deutschland
macht.
Unser Leistungsspektrum umspannt das gesamte Investment Banking, inklusive Kreditgeschäft,
Private Banking sowie Asset Management. Alle Bereiche profitierten von den verbesserten
Rahmenbedingungen 2010. Unser Verbund ist in der Lage, auch diffizile und komplexe Aufgaben unserer
Kunden zügig und mit hoher Qualität zu erfüllen.
Das Ergebnis des Investment Banking wurde erneut durch gute Erträge im Bereich Fixed Income
und die ansteigende Aktivität in den Aktienmärkten getragen.
Das Kreditgeschäft trug wie im Vorjahr deutlich zum Jahresüberschuss bei. Wir betreuen
Firmenkunden, Privatkunden sowie Kunden aus den Segmenten Schiff und Immobilie. Die positivere
Auftragslage bei Firmenkunden spiegelte sich in verbesserten Bonitäten wider. Anziehende
Charterraten im Containerbereich und erhöhte Schiffspreise bewirkten eine bessere Risikosituation.
Unsere Engagements betreuen und beobachten wir unserer Haltung entsprechend sehr intensiv. Im
Berichtsjahr haben sich keine Vorsorgenotwendigkeiten ergeben. Wir werden unsere vorsichtige
Kreditpolitik fortführen und den Kunden unsere Beratungsexpertise auch in besonderen Fällen zur
Verfügung stellen.
Die Corporate-Finance-Beratung war 2010 durch Großmandate geprägt. Wir haben die Drägerwerke
bei einer Kapitalerhöhung sowie Hapag-Lloyd bei der Emission einer Unternehmensanleihe begleitet.
Börsengänge und andere Kapitalmarkttransaktionen wurden jedoch vielfach auf das Jahr 2011
verschoben. Die Vermögensverwaltung im Private Banking hat 2010 im Mehrjahresvergleich sehr gut
abgeschnitten und renommierte Auszeichnungen erhalten. Der Warburg Bank und ihren Tochterinstituten
wurden 2010 neue Geldmittel in beträchtlicher Höhe anvertraut. Kunden agierten aktiver, wenn auch
das Niveau des Jahres 2007 noch nicht erreicht wurde.
Im Asset Management bieten wir neben der klassischen Depotverwaltung ein reichhaltiges
Produktspektrum von Anlageklassen an. Diese umfassen neben Aktien und Anleihen auch
unternehmerische Beteiligungen. Private Equity und alternative Anlageklassen runden das Angebot ab.
Über unser Netzwerk der Verbund-Unternehmen sind wir in der Lage, die besten Angebote für die
Anlage unserer Kunden zu identifizieren und bereitzustellen. Der Zuwachs an uns anvertrauten
Mitteln überstieg den Branchendurchschnitt deutlich. Die Assets under Management im Verbund stiegen
im Berichtszeitraum von € 32,3 Mrd. um 11,8 % auf € 36,1 Mrd.
Dem wachsenden Geschäftsumfang geschuldet, stellte die Warburg Bankengruppe auch 2010 neue
Mitarbeiter ein. Mit einem Wachstum von 2,4 % stieg die Mitarbeiterzahl auf 1.106 (Vorjahr 1.080).
Der Zusammenhalt in der Bankengruppe, regelmäßige Weiterbildung und Nachwuchsförderprogramme haben
für uns Priorität. Eine geringe Fluktuationsrate bestätigt uns in unserem Vorgehen.
Im Herbst 2010 haben wir Herrn Eckhard Fiene (49) als neuen Partner in der Warburg Bank
begrüßt. Herr Fiene ist als ausgewiesener Kapitalmarktfachmann zuständig für die Bereiche Sales und
Trading sowie Research.
Gemeinnützig engagieren wir uns über die Bank und die banknahe Warburg – Melchior – Olearius –
Stiftung. 2010 konzentrierten wir unsere Förderung auf Kultur und Gesundheitsinstitutionen und im
Besonderen auf Kinder und Jugendliche. Betreuungs-, Bildungs- und Bedürftigenhilfe wurde in diesem
Bereich insbesondere in Norddeutschland geleistet.
Die Essay-Reihe „Beobachtungen zur Zeit“ erscheint bereits zum zwölften Mal. Wir widmen uns
dieses Jahr dem Thema „Tabubruch Meinungsfreiheit“ und haben für einige Gedanken Herrn Dr. Thilo
Sarrazin gewinnen können. Gesellschaftliche Änderungen kommen oft nur durch mutig vorgetragene
Meinungspositionen zustande. Ob wir für einen solchen demokratischen Diskurs reif sind, erfahren
wir im beiliegenden Heft.
Den im Zuge der Finanz- und Wirtschaftskrise neu eingeführten Regulationsmechanismen muss mit
fortlaufend mehr Personal- und Kapitalaufwand begegnet werden. Bankenabgabe, erhöhte
Eigenkapitalanforderungen und Dokumentationspflichten führen, obgleich sie im Kern richtige Ansätze
enthalten, zu einer Einschränkung der Handlungsfreiheit kleinerer Institute. Im Hinblick darauf,
dass gerade diese Institute nicht maßgeblich für die Entstehung der Finanzkrise ursächlich waren
und ohne Staatsunterstützung im Wettbewerb bestehen mussten, appellieren wir an die politisch
Verantwortlichen für eine bessere Differenzierung bei der Anwendung des regulatorischen
Rahmens. Regulierung droht sonst zu einem neuen Risiko zu werden. Es war wichtig, wesentliche
Regelungslücken der Kapitalmärkte zu schließen. Die in den vorangegangenen Jahren erfolgte
Deregulierung der Finanzmärkte, die zur Finanzkrise beigetragen hat, war falsch. Das Pendel darf
aber nicht derart zurückschlagen, dass die wirtschaftliche Effizienz der Finanzinstitute über die
Maßen eingeengt wird. Frühzeitig haben wir begonnen, unser Haus auf die neuen Anforderungen der
Politik und des Marktumfelds einzustellen. Unsere Geschäftsausrichtung unterziehen wir regelmäßig
einer kritischen Überprüfung und entwickeln diese behutsam fort. Deshalb vertrauen wir darauf, auch
2011 eine zufriedenstellende Geschäftsentwicklung durchlaufen zu können und sind zuversichtlich für
unsere Zukunft.

